Die geplante Sanierung der Demutstrasse sorgt im Riethüsli für Diskussionen. Weniger Parkplätze, neue Verkehrsführung, mehr Grünraum – und viele offene Fragen. Stadtrat Markus Buschor hat das Gespräch mit dem Quartierverein gesucht – dabei wurden die wichtigsten Fakten zusammengetragen.
Text: Nicola Zoller, Foto: Simeon Bertoldo
Die Sanierung der Demutstrasse ist weit mehr als ein Strassenbauprojekt – sie betrifft den Alltag im Riethüsli direkt. Die Stadt St.Gallen verfolgt im Rahmen einer übergeordneten Zukunftsinitiative das Ziel, Strassenräume aufzuwerten, zu begrünen und verkehrlich neu zu ordnen. Tempo 30, neue Bäume, breitere Aufenthaltsbereiche und eine Reduktion des motorisierten Verkehrs sind Kernelemente dieser Strategie. Was für die Stadt ein konsequenter Schritt in Richtung Klimaanpassung ist, wirft im Quartier zahlreiche Fragen auf.
Was die Planung für das Riethüsli bedeutet
Ein zentrales Argument der Stadt ist die sogenannte Stadtklima-Initiative. Markus Buschor verweist im Gespräch darauf, dass St.Gallen verpflichtet ist, bis 2030 80ʼ000 m² Strassenraum in Grünflächen mit Bäumen umzuwandeln und weitere 120 ʼ000 m² für Fuss-, Velo- und ÖV-Verkehr aufzuwerten. Diese Vorgabe beeinflusst viele aktuelle Projekte – auch jenes an der Demutstrasse. Die Stadt betont, dass sich Investitionen in hochwertige und grüne Strassenräume langfristig auszahlen und die Lebensqualität erhöhen.
Sorge vor Suchverkehr
Das Riethüsli ist bereits heute stark belastet: Pendelnde aus dem Appenzellerland, Schulverkehr, Sportveranstaltungen und Besuchendenströme prägen die Demutstrasse täglich. Die geplante Reduktion der Parkplätze verstärkt die Sorge vor zusätzlichem Suchverkehr in den Wohnstrassen. Viele Anwohnende wünschen sich nachvollziehbare Verkehrslenkung und eine faire Berücksichtigung der Quartieranliegen – denn Verkehr soll nicht einfach «verlagert», sondern sinnvoll gesteuert werden.
GBS, Veranstaltungen und fehlende Parkplätze
Besonders betroffen ist die GBS. Rund 2000 Lernende und ebenso viele Weiterbildungsteilnehmende nutzen den Standort jede Woche. Grosse Veranstaltungen mit bis zu 500 Personen kommen hinzu. Da die Tiefgarage aus Sicherheits- und Zugangsgründen am Abend und Wochenende nicht geöffnet werden kann, sind oberirdische Parkplätze entscheidend. Der Kanton hat deshalb Einsprache erhoben und warnt, dass die Funktionsfähigkeit des Standorts durch den Wegfall vieler Parkplätze empfindlich getroffen werden könnte.
Ein Brief und die Reaktionen
Der Vorstand des Quartiervereins hat aus diesen Gründen eine schriftliche Stellungnahme an den Stadtrat geschickt, die vor allem die Parkplatzplanung betraf. Dies führte dazu, dass Markus Buschor ein persönliches Treffen mit dem Quartierverein suchte. In diesem Austausch sprach er auch die
Tonalität des Briefes an – dieser habe den Stadtrat im Wortlaut und durch den eher scharfen Inhalt doch sehr überrascht. Trotzdem sei es ihm wichtig, mit Bevölkerung und Quartiervereinen ins Gespräch zu gehen, damit im Vorfeld hindernde Punkte geklärt werden könnten. Schriftlicher Austausch bringe oft wenig; darum brauche es direkte Gespräche, um Erwartungen und Fragen zu klären. Die Demutstrasse sei kein isoliertes Projekt, sondern Teil eines grösseren Entwicklungsauftrags und aus Sicht des Strassenbaus alltäglich. Deshalb wurde für dieses Projekt keine Partizipation durchgeführt, sondern nur auf die öffentliche Mitwirkung gesetzt.
Turnhalle, Tiefgarage – Frage zur Erreichbarkeit
Im Austausch wurde auch die neue Turnhalle thematisiert. Sobald diese eröffnet ist, soll sie für Veranstaltungen zur Verfügung stehen – doch es gibt keine Parkplätze auf dem Schulareal, denn dort darf nicht parkiert werden. Deshalb wäre die Tiefgarage der GBS ideal – verbindet doch ein Lift die Teufener Strasse direkt mit Schulhaus und Turnhalle. Die Stadt ist in dieser Sache im Gespräch mit dem Kanton. Die Demutstrasse selbst soll so geplant werden, dass temporäre Parkplätze möglich bleiben – etwa für Sportlerinnen und Sportler, die Material transportieren müssen. Besuchende hingegen sollen möglichst den ÖV nutzen. Im Quartierverein ist man skeptisch: Werden Familien wirklich mit dem ÖV anreisen? Ist das praktikabel? Buschor verweist darauf, dass Sanierungen immer für die nächsten 50 Jahre gedacht seien – und man die Zukunft mitplanen müsse. (Anmerkung der Redaktion: Die Mitwirkungsplattform der Stadt St.Gallen findet man unter: www.stadtsg.ch/partizipation)
Tempo 30 – warum der Verkehr flüssiger wird
Auch Tempo 30 sorgt für Diskussionen. Fachlich ist gut belegt, dass bei Tempo 30 der Verkehrsfluss gleichmässiger und flüssiger wird, weil weniger abrupt gebremst und beschleunigt werden muss. Das Schweizer Umweltbundesamt bestätigt, dass dadurch weniger Emissionen entstehen und der Verkehr insgesamt ruhiger wird – ein Punkt, den Bu-schor ebenfalls hervorhob. Allerdings gibt es hierzu unterschiedliche Meinungen, vor allem in der Abstimmung mit dem Kanton.
Wie geht es weiter?
Klar ist: Mit derzeit 22 Einsprachen wird das Projekt noch Zeit brauchen. Für das Riethüsli bleibt entscheidend, dass die Stadt ihre Bevölkerung frühzeitig und verbindlich einbezieht. Partizipation darf keine Einbahnstrasse sein. Der Quartierverein bleibt deshalb im Dialog – konstruktiv, offen und mit dem Ziel, eine Demutstrasse zu erhalten, die sowohl den städtischen Zielen als auch dem Alltag im Quartier gerecht wird.
Demutstrasse: Die wichtigsten Fakten
Geplant:
- Tempo 30
- Mehr Grünraum, 35 Bäume
- Weniger Parkplätze (47 von 83 Parkplätzen fallen weg)
- Neue Stützmauer
Offen:
- Suchverkehr
- Event-Parkieren
- Tiefgarage GBS
- Verkehrslenkung
Status:
- 22 Einsprachen
- Projekt verzögert
- Gespräche laufen