Quartierverein Riethüsli fordert Sistierung des Abbruchs der Turnhalle Nest 2
Der Quartierverein Riethüsli freut sich, dass die Kinder nach den Frühlingsferien im neuen Schulhaus starten können. Ein Wehrmutstropfen ist jedoch, dass die Turnhalle Nest 2 abgerissen werden soll. Aus Sicht des Quartiervereins Riethüsli ist dieser Schritt (noch) nicht nötig. Denn die Hallensituation in der Stadt St. Gallen ist seit Jahren ange-spannt. Die Stadt selbst hält fest, dass die Sporthallen am Abend zu 97 Prozent ausge-lastet sind und rund zwei Drittel der Sportvereine zusätzliche Trainingseinheiten benö-tigen. Die neue Halle im Riethüsli bringt zwar eine leichte Entlastung, löst den Mangel aber nicht. „Wir freuen uns über das neue Schulhaus und den Start nach den Frühlings-ferien. Aber es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass eine bestehende Turnhalle abge-rissen werden soll, obwohl die Stadt selbst zugibt, dass es an Hallen für Vereine und Breitensport massiv fehlt“, sagt Gisela Bertoldo, Präsidentin des Quartiervereins Riethüsli.
Besonders stossend ist aus Sicht des Quartiervereins, dass die bisherige Situation der Hallenbelegung für die Vereine nicht einfach eins zu eins übernommen wird. Im Riethüsli standen bisher zwei einzelne Turnhallen zur Verfügung. Neu entsteht eine Doppelturnhalle, die in drei Einheiten unterteilt werden kann. Was in der Projektlogik nach mehr Verfügbarkeiten aussah, wird in der Praxis nicht umgesetzt. Bereits heute ist bekannt, dass gewisse Gruppen und Vereine um ihre Trainingszeiten bangen müs-sen. Betroffene Nutzer berichten, dass ihre Verträge auf den Sommer gekündigt wur-den und die Chancen auf Platz in der neuen Halle gering sind.
Dass nun mitten in einer bekannten Hallenknappheit eine bestehende Halle abgerissen wird, ohne dass die Gesamtproblematik entschärft wird, wirft aus Sicht des Quartier-vereins berechtigte Fragen auf.
Politik Der Quartierverein erhält mit seiner Haltung auch Unterstützung aus der Politik. SVP-Stadtparlamentarier Donat Kuratli kritisiert öffentlich, dass die alte Halle in einer Zeit des Hallenmangels abgerissen werden soll. Er bezeichnet die von der Stadt genannten 2
fünf Millionen Franken für eine Sanierung als überrissen. Statt einer Totalsanierung müsse geprüft werden, ob die Halle mit verhältnismässigen Massnahmen noch einige Jahre weiter betrieben werden könne.
Auch gemäss Lebensraumstrategie der Stadt vom Juni 2024 soll der Zusammenhalt und die Partizipation in den Quartieren verbessert werden, die sozialen Angebote und Akteure in den Quartieren gestärkt werden. Wenn verschiedene bestehende Turn-gruppen aus dem Quartier verdrängt werden und eine funktionierende Sporthalle ab-gebrochen wird, widerspricht dies aus unserer Sicht der Vision dieses Konzeptes.
Der Riethüsli-Turnhalle den Stecker zu ziehen, ist aus Sicht des Quartiervereins ein pla-nerischer Widerspruch. Wenn zwei Drittel der Sportvereine mehr Trainingszeit brau-chen, darf man eine funktionierende Infrastruktur nicht einfach beseitigen, bevor echte Entlastung vorhanden ist. Auch die alte Turnhalle Kreuzbleiche aus dem Jahr 1912 wurde nie abgerissen und immer wieder renoviert. Warum zieht man dies im Riethüsli nicht in Betracht und reagiert auf die heutige Realität der Hallenknappheit?
Forderungen des Quartiervereins Riethüsli Der Quartierverein fordert daher die Sistierung des Abbruchs der alten Turnhalle. Die Halle soll mit einer Soft-Renovation so weit instandgesetzt werden, dass sie noch min-destens fünf Jahre weiter genutzt werden kann, bis sich die Hallensituation in der Stadt tatsächlich entspannt. Es soll keine Luxus-Variante sein, sondern eine pragmatische Lösung. Zudem fordert er den Stadtrat auf, die Varianten für einen befristeten Weiter-betrieb transparent offenzulegen und die Kosten einer Soft-Renovation separat von ei-ner Totalsanierung auszuweisen.
Solange die Hallensituation aufgrund des Projektes «Hallenneuvergabe» in der Stadt nicht nachweislich entschärft ist, ist ein Abbruch der falsche Schritt. Die Gesundheit der Bevölkerung soll es dem Stadtrat Wert sein, dass hier ein Umdenken noch möglich ist.
Auskunft Gisela Bertoldo Präsidentin Quartierverein Riethüsli, Quartierverein Riethüsli, Gisela Bertoldo, Präsidentin, praesidentin@riethuesli.com
Online veröffentlichte Beiträge zum Thema:
https://stgallen24.ch/articles/374885-qv-riethuesli-wehrt-sich-gegen-turnhalle-abriss
Lebensraumstrategie kurz erklärt
Beitrag Tagblatt vom 20. Februar 2026
Beitrag Tagblatt vom 5. April 2026