
Martin Wettstein, Text/ Erich Gmünder, Fotos
Bis vor nicht langer Zeit ist allen, die mit der Appenzeller Bahn in die Höhe hinauffahren wollten, nach Gais, Appenzell…, noch der enge Rank des Bahntrassees vor dem Riethüsli in Erinnerung. Ein «Rank», von dem man behauptete, er sei der engste (Rank einer Zahnradbahn) von ganz Europa …oder vielleicht der Welt? (die Franzosen hätten gesagt «de la planète»). Ein Naturereignis, geeignet für eine Nummer von Emil: «Lueg, jetz muesch denn luege, jetz chonnt er denn, lueg emol, jetz chonnter, de Rank, jo, jetz simmer drinn, jetz lueg emol daas aaa!».

Von ihnen soll hier die Rede sein. «Was? Im Dezember? Wo diese Gärten ja ihre hohe Zeit im Frühling und Sommer haben?» – Ja, warum nicht? Das nennt man «antizyklisch». Achtzehn Familiengärten-Areale gibt’s in unserer Stadt, vom Riederenholz im Osten bis zum Bildweiher im Westen. Unser Areal wird auf dem Stadtplan als «berggängig» beschrieben, seine Parzellen müssen deshalb terrassiert sein. Das bedeutet: Mehr Belastung natürlich für Rücken, Beine, Arme… Aber die gluschtig-farbige Internet-Darstellung streicht dafür die sonnige Frühlings- und Sommer-Nordhang-Lage besonders heraus. Eine Lage mit Blick auf die Stadt hinunter, d.h. vor allem auf das Otmar-Quartier (einem Blick, so würde ich ergänzen, mit dem man – äxgüsi – den grauen-haften Fachhochschule-Turm kaum sieht).


Die lustvollen, aber oft schweisstreibenden Gartenarbeiten: Setzlinge kaufen auf dem Bauernmarkt, Boden lockern, pflanzen, Stecklinge mit Plastik-Kragen vor hungrigen Schnecken schützen, düngen, giessen (mit Wasser aus der bei Gartenhäuschen vorgeschriebenen Regentonne), alle Sorten von Gemüse und Beeren ernten, aufbinden, kompostieren, schneiden, Blumen pflegen (in allen Familiengärten der Stadt muss ein Teil der Parzelle mit Blumen bepflanzt sein). Mietkosten für die Parzelle (normalerweise eine Are): etwa 140 Franken pro Jahr, für grössere etwa 250 Franken.



Winterthur macht es uns vor (wie ich von der dortigen Stadtverwaltung telefonisch erfahre): Die Stadt will unbedingt eine grüne Stadt sein. Dazu dienen ihr unter anderem auch die Familiengärten (dort heisst ein Schrebergarten «Pünt»), die übrigens bei der Zugfahrt nach Zürich lange Zeit die Geleise säumen.
So. Das wär’s. Halt, noch etwas: Einer der berühmtesten französischen Romane, «Candide ou l’optimisme» von Voltaire, hört auf mit dem Satz: «Il faut cultiver notre jardin».
Magazin Riethüsli Dezember 2022